Stellungnahme zum Rettungseinsatz auf dem Starnberger See

in Rudern.

Der Presse ist zu entnehmen, dass es am gestrigen Sonntag bedauerlicherweise zu einem Rettungseinsatz in Verbindung mit einem Gig-Vierer des MRC 1880 kam. Den Verein erreichen derzeit einige Rückfragen zu diesem Vorfall, zu welchen wir an dieser Stelle gern wie folgt Stellung nehmen.

Die Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt des Vorfalls zeigten sich als für den Ruderbetrieb nicht optimal, aber im Grundsatz ruderbar. Dies belegt auch die gleichzeitige Anwesenheit anderer Ruderboote verschiedener Vereine auf dem See. Es herrschte Westwind, welcher vor allem im Nord-/Ostbereich des Sees zu nennenswerter Wellenbildung führte. Nach Beurteilung der Wetterlage fand im Sinne des geltenden Sicherheitskonzepts zur fraglichen Zeit kein offizieller Trainingsbetrieb auf dem Wasser statt. So hat die Jugendabteilung ihre parallel laufende Übungseinheit geschlossen im Kraftraum betrieben. Andere Sportler führten eine Laufeinheit an Land durch und wurden so unmittelbar Zeugen des Rettungseinsatzes.

Trotzdem hat die betroffene Mannschaft, bestehend aus erwachsenen Sportlern mit mehrjähriger Erfahrung, sich aktiv für eine Ausfahrt entschieden. Dies ist im Grundsatz nicht verbotswidrig. Aufgrund der jahreszeitbedingten Witterungsumstände gelten für Ausfahrten bei Kaltwasser und ggf. Wellengang seit geraumer Zeit spezielle Sicherheitsvorkehrungen. Dazu gehören z.B. das Fahren "unter Land", die Benutzung von Bootsabdeckungen zum Schutz vor Wellenschlag, sowie das Mitführen eines Mobiltelefons.

Die betroffene Mannschaft befand sich zum Unglückszeitpunkt, entgegen der geltenden Fahrtordnung, nicht westlich unter Land sondern, nach unserer Kenntnis unabsichtlich nach gerade begonnener Ausfahrt, auf der windabgewandten Ostseite des Sees. Das Anbringen der Bootsabdeckungen wurde leider versäumt. So kam es zur Übernahme von Wasser aufgrund von Wellengang und zum Vollschlagen des Bootes. Ein vollgeschlagenes Boot ist schwimmfähig, aber nicht manövrierfähig und nicht in der Lage, die Mannschaft in trockenem Zustand zu halten.

Von den genannten Sicherheitsmechanismen griff letztlich das mitgeführte Mobiltelefon. Vom diesem konnte durch die Betroffenen selbst ein Notruf abgesetzt werden, während sich die Mannschaft, den Vorschriften entsprechend, geschlossen am Boot auf- und festhielt.

In einigen Presseberichten ist von unzureichender Kleidung zu lesen. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es keine Bekleidung gibt, welche die Ausübung des Rudersports und gleichzeitig den Schutz vor Kaltwasser gestattet (Neopren etc). Die Sportler trugen im Rudersport übliche, und größtenteils zentral vom Verein beschaffte, Funktionsbekleidung. Beim verunglückten Boot handelt es sich um ein Großboot, welches auch in vollgeschlagenem Zustand noch eine Schwimmfähigkeit aufweist. Aus diesem Grunde sind für diesen Bootstyp am Körper getragene Rettungsmittel empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass für kleinere Boote diese Vorschrift sehrwohl besteht. Aus diesem Grunde haben im vergangenen Jahr viele Sportler des MRC 1880 ihre persönliche Schutzausstattung um in die Funktionskleidung eingearbeitete Rettungswesten ergänzt.

Wir möchten die Gelegenheit nicht versäumen, auch im Namen der betroffenen Sportler, den eingesetzten Rettungskräften für ihr schnelles, umsichtiges und erfolgreiches Eingreifen zu danken. Die Sportler sind mittlerweile auf dem Wege der Besserung und konnten zum Teil bereits gestern Abend die Kliniken verlassen. Wir werden uns in Kürze mit ihnen zusammensetzen, das Geschehene intensiv aufarbeiten und weitere erforderliche Maßnahmen zur Vermeidung derartiger Vorkommnisse erarbeiten.

Der Vorstand des MRC 1880

Update 10.3.2015
Mittlerweile konnten alle vier Sportler gesund aus den Kliniken entlassen werden. Wie angekündigt, wurde das Geschehen noch am gleichen Tag gemeinsam mit dem Vorstand erörtert. In konstruktiver Runde wurden dabei auch weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Sicherheitskonzepts erkannt, mit deren Umsetzung sofort begonnen wird.