Vorwort: Mit dieser Fotosammlung vermitteln wir einen kleinen Eindruck der frühen Geschichte des Münchener Ruder-Clubs v. 1880 e.V. Da die Fotographie in frühen Jahren noch nicht überall und so leicht verfügbar war wie in heutigen Tagen, sind Fotodokumente aus der damaligen Zeit rar. Hinzu kommt, daß diese Aufnahmen zwei Weltkriege überstehen mußten (wir schätzen uns glücklich, daß dies der Fall ist). So ist diese kleine historische Schau eher ein Mosaik, bei dem viele Mosaiksteine fehlen und jedes seine eigene Geschichte hat.

 

Das Jahr 1885: Das heute noch existierende Bootshaus des MRCs in Starnberg wurde im Jahr 1884 erbaut. Es war als Sommerresidenz konzipiert und hatte eine luftige, leichte Architektur. Viele Bootshäuser aus dieser Ära waren in diesem Stil geplant worden. Im Winter fand kein Ruderbetrieb statt. Um die Zeit zu überbrücken, in der das Rudern nicht möglich war, gründeten einige Mitglieder des MRCs den ersten Eislauf-Club Münchens (Münchener Eislauf Verein v. 1883), der ebenfalls noch existiert

s-1885boathouse.jpg


Diese Aufnahme von 1895 zeigt das Bootshaus und das Gelände aus einer weiteren Perspektive.

Bootshaus und Gelände des MRC im Jahre 1895

 


Die Strecke von der Innenstadt Münchens (wo die meisten Clubmitglieder wohnten) bis zum Bootshaus in Starnberg beträgt etwa 25 km. Um 1906 herum konnte so eine Reise mit dem Zug oder mit dem Auto gemacht werden. Nur wenige hatten das Privileg, ein Automobil zu besitzen. Die meisten Clubmitglieder waren aber so wohlhabend wie diese hier auf dem Foto, die ihr Auto stolz dem Fotographen vor dem Bootshaus präsentieren.

Mit dem Auto zum Club um 1906

 



Dieses Foto wurde 1910 im Starnberger Bahnhof aufgenommen. Der Transport von Ruderbooten und anderem Bootszubehör war zur damaligen Zeit eine Herausforderung. Die ersten Meter vom Bootshaus zum Bahnhof wurden zu Fuß zurückgelegt (glücklicherweise ist die Distanz recht klein!) und die Boote und Ruder wurden auf einen Waggon geladen.

Bootsverladung im Starnberger Bahnhof


Seit etwa 1750 waren lebende Bilder ein sehr beliebtes Vergnügen bei Festivtäten der Oberschicht. Z.B. spielen sie in Emile Zolas Roman "Rougon Macquart: La Cureé" eine wichtige Rolle. Dieses Foto stammt aus dem Jahr 1912. Hier wurde ein lebendes Bild von Clubmitgliedern dargestellt.

Mitglieder des MRC stellen ein lebendes Bild auf dem Starnberger See dar

 


Diese kleine Ruderregatta fand 1925 auf dem Starnberger See statt.

Start bei einer Ruderregatta auf dem Starnberger See im Jahre 1925

 


Das nostalgische Foto aus dem Jahre 1925 zeigt die Schiedsrichter bei einer kleinen Ruderregatta auf dem Starnberger See.

Schiedsrichter bei der Arbeit: Kleine Ruderregatta auf dem Starnberger See im Jahr 1925


1936 landete die berühmte "DoX" zur Vorführung direkt vor dem Hafen des Münchener Ruder-Clubs auf dem Starnberger See. Ein Clubmitglied nutzt die Chance, sich dem Flugzeug zu nähern und bewundert die bemerkenswerte Konstruktion aus direkter Nähe. Die Dornier Flugzeugwerft befand sich in Oberpfaffenhofen in der Nähe von München. Die Dornier-Erbin war in jungen Jahren Mitglied des Münchener Ruder-Clubs.

Ein Ruderer beobachtet das berühmte Flugzeug DoX nach der Landung auf dem Wasser


Erni Wörner ist eine der Protagonistinnen des deutschen Frauenruderns. Im Jahre 1932 konnten Frauen in den meisten Ruderclubs nicht aktive Mitglieder sein. Der Münchener Ruder-Club war hier liberal und erlaubte es der Dame, den Sport auszuüben. Hier ist Erni nach einer Ausfahrt im Jahr 1936 zu sehen. Sie ist immer noch eine aktive Ruderin und rudert mit 90 Jahren noch viele hundert Kilometer im Jahr!

Erni Wörner als Protagonistin des Frauenruderns



Es darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, daß es die meisten weiblichen Clubmitglieder vorzugen, am Ufer Kaffee zu trinken und Sonnenbäder zu nehmen. 1941 waren aktive Damen wie Erni Wörner eine Minderheit. Das Clubgelände und die Einrichtungen laden immer noch zum entspannenden Verweilen ein, so daß man den Verdacht schöpfen könnte, einige Mitglieder seien nur deswegen eingetreten. Anders als früher halten sich heutzutage jedoch die weiblichen und männlichen Mußegänger die Waage.

Sommerhaus des Münchener Ruder-Clubs im Jahr 1941


Das Bootshaus, welches im Jahr 1885 erbaut wurde hat beide Weltkriege unbeschadet überstanden. Von 1945 bis 1947 war das Bootshaus offizielle Offiziersmesse der US-Armee. General Patton war selber ein Ruderer und sorgte dafür, daß die Soldaten das Bootshaus schützten.

Das Foto zeigt das renovierte Bootshaus im Jahr 1952.

Renoviertes Bootshaus im Jahr 1952


Zu Beginn war der Münchener Ruder-Club eine studentische Vereinigung. Das "Kneipbuch" war für die studentischen Trinkveranstaltungen - bei denen Anwesenheit Ehrensache war - ein wichtiges Zubehör. Der Club mietete für diese Anlässe eine Spelunke in der Innenstadt. Das Kneipbuch enthielt schlüpfrige Witze und Zeichnungen. Heutzutage würde man diese "verbotenen" Darstellungen als eher harmlos bezeichnen.

Die frühe Geschichte des Deutschen Ruderverbandes war von Klassenbewusstsein geprägt. Bis etwa 1910 war es für Angehörige der Arbeiterklasse nicht erlaubt, einem Club des Ruderverbandes beizutreten. Direkt nach der Abschaffung dieser Regelung wurden viele Ruder-Clubs von Arbeitern gegründet.

Kneipbuch aus der Zeit, als der MRC noch eine studentische Verbindung war




Es wurde von den Münchener Ruderern immer sehr bedauert, daß man in der Müncher Innenstadt mangels geeigneter Gewässer nicht rudern konnte. Deshalb schloss der MRC einen Vertrag mit den Wittelsbachern ab, der die Erlaubnis beinhaltete, auf den Kanälen der Nymphenburger Schloßanlage zu rudern. Heute sind diese Kanäle flach und modderig, so daß es heute nicht mehr möglich ist, dort zu rudern.

Rudern auf den Kanälen des Nymphenburger Schlosses mit Erlaubnis der Wittelsbacher


Das Datum dieser Vergnügungsfahrt zu bestimmen ist nicht ganz einfach. Die Kostüme könnten aus der Zeit um 1919 stammen, die Bootshausfassade ist jedoch bereits verputzt, was in den 1950er Jahren geschehen ist.

Vergnügungsfahrt in historischen Kostümen


CHRONOLOGIE:

Gründung 14. April 1880; viertältester Ruderverein in Bayern

Club- und Bootshausbau 1884; Einweihung am 18.5.1884 durch Prinz Ludwig von Bayern, dem nachmaligen König Ludwig III und Protektor des Clubs

  • 1881 bereits Teilnahme und Siege an Regatten in Österreich und Deutschland
  • 1882 Ausrichtung der ersten Ruderregatta auf dem Starnberger See
  • 1882 Gründungsverein des Bayerischen Ruderverbandes
  • 1883 Gründungsverein des Deutschen Ruderverbandes
  • 1883 Mitbegründer des Münchener Eislaufvereins (Ausgleichssport im Winter)
  • 1888 Gründung des Bayerischen Yacht-Club durch Mitglieder des MRC
  • 1890 Gründung einer akademischen Ruderabteilung für Münchener Studenten
  • 1910 Ausrichtung des Deutschen Rudertages und der Deutschen Rudermeisterschaften auf dem Starnberger See
  • 1934 Gründung einer Frauenabteilung
  • 1935 Bau des Damenhauses
  • 1972 Mitbegründer der Rudergesellschaft München
  • 1974 Vertrag mit dem Kurt-Huber-Gymnasium Gräfelfing zur Gründung einer Schülerruderriege

WEITERE HÖHEPUNKTE:

  • 1994 Mitbegründer des Olympia-Regattaverein München
  • ca. 360 Mitglieder, davon 40% Frauen
  • Bootsbestand 72 Boote, Renn- und Gigboote; alle Typen
  • Trainingsgruppen: Junioren, Männer, Frauen, Masters (M + F)
  • Jahreskilometerleistung: ca. 90.000 km
  • Wanderruderleistung: ca. 9000 km pro Jahr
  • Sportliche Erfolge: 1900 Regattasiege, darunter:
    • Weltmeisterschaften
    • Deutsche Meisterschaften
    • Eichkranzsiege
    • Deutsche Hochschulmeisterschaften
    • viele FISA-Masters-Siege
    • viele bayerische Meisterschaften

 


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