Junioren Weltmeisterschaft 2019

von Wallner, Lorenz
in Rudern.

Dreimal dritter ist auch Bronze
Zum Anfang der Junioren Wm, setzten wir uns das grobe Ziel in das A-Finale zu kommen. Nach Bekanntmachung des Meldeergebnisses, wurde dieses Ziel verfeinert. Wegen der Anzahl der Boote, war es möglich, in jedem Rennen ‚nur‘ dritter zu werden und so ins A-Finale zu kommen und dort, durch den dritten Platz, Bronze zu holen. Das neue Ziel war somit: Die Bronzemedaille zu holen, nach dem Prinzip ‚dreimal dritter ist auch Bronze‘.


Um dieses Ziel zu erreichen begannen Tom und ich ab dem 6. Juli mit dem Trainingslager in Berlin. Jeden Morgen vor dem Frühstück 20km rudern, waren Routine. Danach ging es immer wieder unterschiedlich weiter mit Kraft, oder Ausdauertraining, oder auch nochmal ein paar Kilometer auf dem Wasser. Nach etwa vier Wochen voller Belastungen, Kilometer, beinahe- Crashs, Krafteinheiten, freien Nachmittagen und Massagen ging es mit dem Flugzeug Richtung des Austragungsortes unserer Wm: Tokyo. Damit wir dem dortigem Klima gewachsen sind wurden im Vorhinein die Bedingungen in einem Klimaraum simuliert...wir durften 40min Rad, oder Ergometer bei 35 Grad Celsius und 90% Luftfeuchtigkeit fahren.
Ich kam pünktlich in Tokyo an und konnte mich an Japan gewöhnen. Bei Tom und noch gut der Hälfte der Deutschen Rudernationalmannschaft, sah das ein bisschen anders aus: aufgrund von Unwetter und anderen Hindernissen, konnten einige Flieger nicht rechtzeitig fliegen und der Anschlussflug nach Tokyo wurde verpasst. Nach einem Tag kam mein Zweierpartner an und wir konnten vor Ort trainieren. Eine Regattastrecke gefüllt mit Salzwasser, direkt unterhalb von Flugzeugen im Landeanflug, war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch kamen Tom und ich schnell mit diesen Gegebenheiten und dem Klima zurecht und arbeiteten am Feinschliff.
Im Vorlauf ging es direkt gegen den absoluten Favoriten Rumänien. Auch die USA, Griechenland und Südafrika waren starke Gegner. Nach einem sehr guten Start und einem solidem Streckenschlag kamen wir als zweite, hinter Rumänien, über die Ziellinie. Wir schafften somit den direkten Einzug in das Halbfinale, sparten uns den Hoffnungslauf und verdienten uns einen weiteren freien Tag.
Das Halbfinale war mit Italien und Kroatien auch stark besetzt, da aber auch der dritte Platz ins A- Finale einzog, war der Druck etwas geringer als etwa im Vorlauf, wo man sich beweisen musste. Nach einem diesmal nicht ganz so gelungenem Start, lieferten wir uns über die Strecke ein Duell mit den Kroaten, welches wir im Endspurt eindeutig für uns entscheiden konnten. Auch die Italiener die bis 1500m deutlich vor uns waren, konnten wir im Endspurt stark aufholen, kamen dann allerdings 16 hundertstel hinter ihnen ins Ziel. Mit diesen guten Rennen und Platzierungen in der Tasche, begannen wir uns mental auf das Finale einzustellen und von Medaillen zu träumen.
Der Finaltag war heiß wie jeder andere und bis es so weit war, dass wir unser Boot ins Wasser legen konnten, verging eine Ewigkeit. Von bereits zu diesem Zeitpunkt eingefahrenen Goldmedaillen der anderen deutschen Ruderer beflügelt, begannen Tom und Ich irgendwann endlich unser Aufwärm/Einfahrprogramm. Wenn ich den Start möglichst gut beschreiben müsste, würde ich ihn als ‚Mittelding zwischen Vorlauf und Halbfinale beschreiben. Er war zwar gut, jedoch konnte Italien sehr gut mithalten und auch noch ein Großteil des restlichen Feldes. Rumänien setzte sich durch hervorragende Technik über die gesamten 2000m konstant immer weiter von uns ab und schien zusammen mit den Italienern unerreichbar. Die Kroaten lieferten sich erneut ein Duell mit uns, was sie diesmal mit einer Dreiviertel Länge Vorsprung, bei 1750m, für sich entschieden konnten. Die Franzosen die wir eigentlich anstelle von Kroatien als Hauptkonkurrent angesehen hatten, fielen überraschend schnell zurück. Nur durch einen starken, anstrengenden Endspurt konnten Tom und ich uns auf den letzten Metern an Kroatien vorbeischieben und sogar auch noch beinahe Italien überholen. Am Ende fuhren wir, nach Rumänien und Italien, als Dritter über die 2000m Marke. Da wir auf der Strecke Italien unterlegen waren und Silber, trotz des knappen Endes, nicht in Reichweite war, konnten wir uns mit Bronze sehr zufrieden geben.
Das Motto ‚dreimal dritter ist auch Bronze‘ konnten wir, durch die beiden Platzierungen in Vorlauf und Halbfinale, sogar übertreffen und können auf eine erfolgreiche und zufriedenstellende Saison zurückblicken.